Die FFAS führte im Sommer 2007 eine Umfrage bei Transportunternehmen durch. Dabei ging es um die Gesundheit von Berufskraftfahrern. Die Studie erfolgte im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz in Berlin (BAuA), Forschungsprojekt F20381 und mit der freundlichen Unterstützung der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen (www.bgf.de), bei deren Mitgliedsunternehmen die Befragung durchgeführt wurde.
In der Umfrage wurden betriebliche Entscheidungsträger nach der Verbreitung und nach dem Bedarf von Gesundheitsförderungsmaßnahmen bzw. Gesundheitsmanagement in den Betrieben gefragt. Solche Maßnahmen werden hier im Folgenden BGM genannt.
Auf der Basis der Umfrageergebnisse sollten Eckpunkte für ein Präventionskonzept in Form eines Maßnahmenkatalogs entwickelt werden, das zu den speziellen Anforderungen der Branche passt. Solche Maßnahmen könnten dann zukünftig in einem wissenschaftlich begleiteten Modellprojekt in ausgewählten Firmen zum Einsatz kommen („Erprobungsstudie“).
Die Entscheidungsträger wurden gefragt, ob sich ihr Betrieb grundsätzlich an einem solchen Projekt beteiligen würde. Das Projekt wurde im Juli 2008 abgeschlossen. Die wichtigsten Ergebnisse der Unternehmensbefragung werden hier zusammengefasst. Den Internet-Link zum vollständigen Projektbericht finden Sie in der Infobox
Stand: Januar 2009
Weitere Informationen
Fragen zum Projekt? Wenden Sie sich bitte an:
Dr. Martina Michaelis
E-mail: michaelis@ffas.de
Rücklauf
Von 50.391 bei der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen versicherten Transportunternehmen wurden 10% zufällig ausgewählt. Von 5.500 ausgesendeten Fragebogen konnten 598 ausgewertet werden (Rücklauf 11%). 88% der Antworten kommen aus Betrieben des Güterkraftverkehrs im Fern- und Nahbereich. Von einem Drittel der Antwortenden liegen zusätzlich „Teilnahmebogen“ vor, in denen Interesse an einer BGM-Erprobungsstudie bekundet wird.
Erfahrungen mit BGM
Rund ein Drittel der befragten betrieblichen Entscheidungsträger hat sich über BGM schon einmal Gedanken gemacht. Ein Viertel hat sich dazu schon einmal informiert 22% haben bereits Erfahrungen mit Maßnahmen zur Erhaltung der Mitarbeitergesundheit in ihrem Betrieb (siehe Abbildung 1).

Die meisten Erfahrungen im Zusammenhang mit der Gesunderhaltung der Mitarbeiter betreffen Maßnahmen des „klassischen“ Arbeitsschutzes (ohne Abbildung).
Dies betrifft 61% der Befragten, in deren Betrieb BGM schon einmal umgesetzt wurde und die auch Angaben in unserer Liste der möglichen Aktivitäten gemacht haben. Als „klassische“ Gesundheitsförderungsmaßnahmen wurden am häufigsten Training zu rückengerechten Arbeitsweisen, Verbesserung der Arbeitsplatzergonomie, Umgang mit Müdigkeit am Steuer und Stressbewältigung genannt (siehe Tabelle1).
| Maßnahme | % |
| Rückengerechtes Arbeiten | 31,2 |
| Ergonomische Verbesserungen von Arbeitsplätzen | 28,0 |
| Umgang mit Müdigkeit am Steuer | 23,2 |
| Stressbewältigung | 16,8 |
| Arbeitsplatzbezogene Gesundheitsthemen | 16,0 |
| Gesunde Ernährung und Gewichtsreduktion | 14,4 |
| Sportliche Aktivitäten | 12,0 |
| Verbesserung der Betriebskultur | 12,0 |
| Optimierung von betrieblichen Ablaufprozessen | 11,2 |
| Mitarbeiterbefragung | 10,4 |
| Alkohol-/Medikamentenentwöhnung | 8,8 |
| Fehlzeitenanalyse | 7,2 |
| Raucherentwöhnung | 6,4 |
| Überbetriebliches Qualitätsnetzwerk | 3,2 |
| Gesundheitszirkel | 0,8 |
Tab. 1 Art der schon einmal durchgeführten Maßnahmen (Berechnungsbasis: 117 von 131 mit BGM-Erfahrung und mindestens einen Aspekt beantwortet; Mehrfachantworten; ohne Aspekt "Arbeitsschutz")
Wichtigste Gründe für die 82% der Antwortenden ohne BGM-Erfahrungen im Unter-nehmen sind finanzieller und Zeitdruck, fehlende Anwesenheit der Fahrer, aber auch Unkenntnis zu Umsetzungsmöglichkeiten und mangelndes Problembewusstsein (siehe Tabelle 2).
| Begründung | % |
| Finanzielle Mittel fehlen dafür | 45,9 |
| Mitarbeiter können nicht/sind nicht vor Ort | 42,6 |
| Kein passendes Angebot bekannt | 40,0 |
| Wissen über das „Wie“ fehlt | 31,8 |
| Keine Gesundheitsprobleme im Betrieb vorhanden | 31,3 |
| Keine Zeit | 30,3 |
| Mitarbeiter wollen das nicht | 22,3 |
| Wichtigere Prioritäten im Unternehmen | 15,6 |
| Wirtschaftlicher Nutzen nicht gesichert | 12,1 |
| Kein Interesse | 8,5 |
| Unpassend für den Betrieb/die Organisation | 8,6 |
| Nutzen für die Gesundheit der Mitarbeiter nicht gesichert | 7,4 |
| Sonstiges | 4,9 |
Tab. 2 Begründung für bisherige BGM-Abstinenz im Unternehmen (Berechnungs-basis: n=390 von 468 Unerfahrenen, die mindestens einen Aspekt beant-wortet haben; Mehrfachantworten)
42% der Antwortenden fühlen sich „sehr gut“ oder „gut“ informiert. Befragt zu ihrer grundsätzlichen Einstellung, sieht rund die Hälfte keine Notwendigkeit für BGM als Ergänzung zum klassischen Arbeitschutz bzw. keine Einflussmöglichkeiten auf die Gesundheit der Beschäftigten; andererseits bejahen drei Viertel% auch einen Kosten-Nutzen-Effekt für solche Investitionen (siehe Abbildung 2).

In einem Drittel aller Unternehmen ist in absehbarer Zukunft eine BGM-Maßnahme geplant, bei bereits BGM-Erfahrenen deutlich mehr (siehe Abbildung 3). Ganz sicher sind sich dabei nur vergleichsweise; die meisten haben ein solches Projekt nur „wahr-scheinlich“ im Blick.
In einem Viertel der Betriebe ohne Erfahrung würde BGM somit erstmalig stattfinden. Am häufigsten wird dabei wiederum an ein Training zu rückenge-rechten Arbeitsweisen, an Arbeitsschutzmaßnahmen, an Programme gegen Müdigkeit am Steuer und zur gesünderen Ernährung gedacht (ohne Abbildung).

Ein Drittel der Befragten (N=194) signalisiert eine grundsätzliche Bereitschaft an einer Erprobungsstudie. Besondere Interessen wurden dabei von 135 Befragten angegeben; besonders wichtig sind für sie die auch schon bei den Planungsabsichten ge-nannten Maßnahmen sowie solche zur Stressbewältigung und Raucherentwöhnung (siehe Abbildung 4).

Die Ergebnisse belegen die unzureichende Situation der betrieblichen Gesundheitsprävention bei Berufskraftfahrern in Transportunternehmen, also einer Branche, die neben einem großen wirtschaftlichen, Arbeits- und Termindruck mit besonderen strukturellen Bedingungen konfrontiert ist.
So sind die fahrenden Mitarbeiter zum Beispiel nicht wie in anderen Betrieben „vor Ort“, um zu „normalen“ Arbeitszeiten an Gesundheitsmaßnahmen im Betrieb teilzunehmen. Auch sind viele Betriebe sogenannte Kleinbetriebe – viele auch „Ein-Mann-Unternehmen“, so dass kreative Lösungen gefragt sind, um die Gesundheit der Beschäftigten zu fördern.
Der reale Anteil aller bundesdeutschen Transportunternehmer, die in diesem Feld aktiv sind, ist angesichts des relativ geringen Rücklaufs mit Sicherheit deutlich geringer als in der hier präsentierten Stichprobe. Es ist davon auszugehen, dass Betriebe mit BGM-Erfahrung unseren Fragebogen eher beantwortet haben als solche ohne Erfahrung.
Die Anzahl von Unternehmern, die sich – grundsätzlich gefragt – an einer individuell angepassten Erprobungsstudie beteiligen würden, zeigt, dass zumindest ein kleiner Teil der Unternehmen zur Umsetzung praktischer Gesundheitsförderungsmaßnahmen bereit ist, wenn bedarfsorientierte Angebote bestehen.
Handlungsbedarf besteht nun bei Forschungsgebern, eine solche Studie auch zu initiieren.
Weiterer konkreter Handlungsbedarf besteht in einer besseren Aufklärung von Unternehmern gerade in kleinen und mittelständigen Betrieben über die Möglichkeiten und Vorteile von Betrieblicher Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement. Auch sind kreative Lösungen für Beschäftigte nötig, deren Arbeitsplatz nicht im Betrieb verortet ist.
Dies können z.B. Schwerpunktaktionen von Krankenkassen oder anderen Präventionsanbietern sein, die auch für die Beschäftigten mehrerer Betriebe gleichzeitig stattfinden können („Gesundheitstage“) und auf denen die Fahrer für ihre eigene Gesundheit sensibilisiert werden. Beispielhaft sind auch Aktionen der Autobahnpolizei Umkirch in Südbaden mit ihrer Aktion „Fit on Tour“. Hier werden die Fahrer direkt „am Arbeitsplatz“ während ihrer Fahrpausen angesprochen www.gib-acht-im-verkehr.de, Stichwort „Projekte“).
Detailliertere Hinweise auf die Eckpunkte eines Präventionskonzepts für Berufskraftfahrer im Transportwesen können dem Projektbericht auf den Internetseiten der BAuA (www.baua.de, Stichwort „Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung von Berufskraftfahrern“) entnommen werden, der in Kürze dort erscheint
(Stand: 21.10.2008).